Sehr geehrter Bundesminister Norbert Totschnig!
Sehr geehrter Präsident Josef Moosbrugger!
Sehr geehrte Präsidenten der Landwirtschaftskammern in Österreich!

Ihr habt im letzten Jahr – wie in den Jahren zuvor – immer betont, die GAP sei für unsere Bauern alternativlos. Jede Kritik an der GAP und an der Art und Weise, wie die GAP und die Entscheidungen zur GAP getroffen werden, wird zurückgewiesen. Das GAP-Ergebnis wird sogar als sehr positiv „gefeiert“! Mit wenigen Ausnahmen (Josef Moosbrugger, Johannes Schmuckenschlager) verweigert man es, sich andere Meinungen oder Überlegungen anzuhören bzw. zu diskutieren.

Fakt ist, dass wir seit dem EU-Beitritt den Bauernstand in Österreich halbiert haben. Von 239.000 Betrieben im Jahr 1995 existieren nur mehr rund 110.000 Betriebe (2021). Als Grund wird immer der Strukturwandel ins Treffen geführt. Das ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Die größten Probleme sind die explodierenden Produktionskosten und das Stagnieren bzw. das Absinken der Erzeugerpreise. Die Bauern sind in Österreich wie europaweit in einer Kostenfalle, weil die Spielregeln nicht passen. Diese sind für Konzerne und den Handel geschrieben. Die Bauern zahlen die Zeche, sie haben eine bittere Ernte.

Das ist das Ergebnis eines Totalversagens der GAP (Gemeinsame EU-Agrarpolitik). Ihr seid als gewählte Vertreter dafür mitverantwortlich! Während der Bauernstand seit dem EU-Beitritt unverschämt ökonomisch rasiert wird, gibt es in jeder anderen Berufsgruppe jedes Jahr mehr Geld! Wir fragen uns und es fragen sich viele Bauern: Warum schweigt ihr zu diesen Entwicklungen? Warum verweigert ihr den kritischen Dialog zu den vielen Problemstellungen? Warum negiert ihr z.B. die fehlenden Inflationsabgeltungen? Warum negiert ihr z.B. die nicht vorhandene echte Abgeltung aller Leistungen, die wir als Bauern erbringen? Warum akzeptiert ihr Spielregeln, die uns ökonomisch ruinieren? Warum wollt ihr nichts ändern und klammert euch an die nicht brauchbaren Vorgaben einer verrückt gewordenen Brüsseler Technokratie fest? Warum kämpft ihr nicht für andere Lösungen?

Wir wollen neue Wege in der Agrarpolitik! Wir suchen nicht schuldige, sondern Lösungen. Wir erwarten uns von euch, dass ihr eure Verantwortung auch lebt und dass man sich nicht abduckt! Die Ausrede, es gibt kein Geld, lassen wir nicht gelten. Das ist in unserer Unterlage ausreichend dokumentiert. Geld ist genug da!

Wir stellen unsere Forderungen hiermit zum wiederholten Mal öffentlich zur Diskussion und fordern Lösungen!

Herzliche Grüße
LKR Johann ILSINGER (Obmann UBV Steiermark) und LKR Johann HERBST (Obmann-Stellv. UBV Steiermark)

UBV STMK offener Brief an Minister und LK-Präsidenten (87 Downloads)