Angesichts der Entwicklungen von Brüssel bis Wien stellt man sich folgende Fragen:
1) Hat der Bauer noch Platz in der Gesellschaft?
2) Wo ist der Platz der Bauern in der Gesellschaft?
3) Was erwartet man sich vom Bauernstand als Gesellschaft?
4) Dürfen Bauern auch Geld verdienen?
Wenn man heute als Land- und Forstwirt das Einkommen heranzieht, dass man in kleinen Spuren vielleicht noch – nach Abzug aller Ausgaben – erzielen kann, dann fragt man sich schon: „Wozu gibt es eigentlich ein Landwirtschaftsgesetz? – wo folgendes festgehalten ist:
Landwirtschaftsgesetz
Auszug aus der gesamten Rechtsvorschrift für das Landwirtschaftsgesetz 1992, Fassung vom 31.07.2019
Ziele
§ 1. Ziel der Agrarpolitik und dieses Bundesgesetzes ist es, unter Bedachtnahme auf die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP):
1. eine wirtschaftlich gesunde, leistungsfähige, bäuerliche Land- und Forstwirtschaft in einem funktionsfähigen ländlichen Raum zu erhalten, wobei auf die soziale Orientierung, die ökologische Verträglichkeit und die regionale Ausgewogenheit unter besonderer Berücksichtigung der Berggebiete und sonstigen benachteiligten Gebiete Bedacht zu nehmen ist,
2. die vielfältigen Erwerbs- und Beschäftigungskombinationen zwischen der Landwirtschaft und anderen Wirtschaftsbereichen auszubauen,
3. die agrarische Produktion, Verarbeitung und Vermarktung marktorientiert auszurichten,
4. die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft, insbesondere durch strukturelle Maßnahmen zu erhöhen, dabei ist auf eine leistungsfähige, umweltschonende, sozialorientierte, bäuerliche Landwirtschaft besonders Bedacht zu nehmen,
5. den in der Land- und Forstwirtschaft tätigen Personen die Teilnahme am sozialen und wirtschaftlichen Wohlstand zu ermöglichen und
6. die Landwirtschaft unter Bedachtnahme auf die Gesamtwirtschaft und die Interessen der Verbraucher zu fördern, damit sie imstande ist,
a) naturbedingte Nachteile gegenüber anderen Wirtschaftszweigen auszugleichen,
b) der Bevölkerung die bestmögliche Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und Rohstoffen zu sichern,
c) sich den Änderungen der volkswirtschaftlichen Verhältnisse anzupassen und
d) die natürlichen Lebensgrundlagen Boden, Wasser und Luft nachhaltig zu sichern, die Kultur- und Erholungslandschaft zu erhalten und zu gestalten sowie den Schutz vor Naturgefahren zu unterstützen und
7. für die Land- und Forstwirtschaft EU-Kofinanzierungsmöglichkeiten umfassend auszuschöpfen.
Bauerneinkommen sind am Boden
Vor 30 Jahren konnte man sich mit dem Verkaufspreis von 1 Liter Milch rund 3 Wurstsemmeln kaufen. Heute muss man rund 4 Liter Milch verkaufen, damit man eine Wurstsemmel kaufen kann.
Die Ackerbauern verdienen – auch wegen einer völlig unakzeptablen Handhabe der Importe von Getreide aus der Ukraine – nichts. Ein Beispiel zeigt zu 2025 folgende Situation: Rund 1.430 Euro variable Kosten beim Anbau bis zur Ernte. Bei einem Ertrag von 8 Tonnen (Wintergerste) sowie einem Verkaufspreis von 175 Euro/t ist das ein Ertrag von 1.400 Euro. Man zahlt also dazu.
Gemessen an den Auflagen, den Hürden sowie den untauglichen Spielregeln im Vergleich mit den Mitbewerbern in der EU aber insbesondere bei jenen, die Waren in die EU liefern, ist das Ergebnis von 30 Jahren gemeinsame EU-Agrarpolitik desaströs. Die EU-GAP ist gnadenlos gescheitert – sie demoliert und ruiniert die Bauern. Dass unsere Bauernvertretung die GAP 30 Jahre nach dem EU-Beitritt weiter als alternativlos betrachtet, versteht kaum ein Praktiker mehr. Das hat die LK Österreich jüngst in ihrem Jahresbericht 2024/25 festgehalten. Da schreibt man provokant: „Österreich in Europa: Mitten drin und vorne dabei!“
Wir fragen uns: Wo sind die Bauern in Österreich vorne mit dabei?
- Bei den Einkommen mitnichten. Ansonsten wären die durchschnittlichen Einkommen der Bauern nicht bei rund 15.000 Euro wie im Grünen Bericht zu 2023 festgestellt. Die Beamten bringen es im Vergleich im Durchschnitt auf 62.000 Euro im Jahr und die Spitzenvertreter der Bauern landen bei 15.000 bis 20.000 Euro oder höher brutto im Monat.
- Hinterfragt man den Bürokratie Dschungel, den Berg an Auflagen wie Hürden, das Sekkieren mit Kontrollen ohne Ende, dann verweisen der Präsident der LK Österreich Josef Moosbrugger oder Minister Norbert Totschnig auf Brüssel.
- In Brüssel erklärte uns der Generaldirektor Wolfgang Burtscher, ein österreichischer Landsmann, man würde von vielen offenen Fragen, die wir dort stellten, nichts wissen. Und man war, ob der vielen Fragen der UBV-Delegation im Jahr 2024, verwundert bis verärgert.
- Dafür erfährt man dann in Brüssel, dass österreichische Minister – im konkreten Fall die Vorgängerin von Totschnig – Verträge z.B. für die EU-Entwaldungsverordnung unterschreibt, die danach noch geändert wurden. Oder die ehemalige Minister Gewessler die das Renaturierungsgesetz unterschrieb. Beide Maßnahmen sind in unserem Grundverständnis eine glatte Enteignung. Es gilt beim BB: in Brüssel dafür, hier dann dagegen.
- Jetzt plant man einen neuen Budgetpfad in Brüssel, wo man das bisherige Agrarbudget mit anderen Töpfen vermengen und gleichzeitig damit die Agrargelder massiv kürzen will.
Bauerngelder – Ausgleichszahlungen sind keine Förderungen, sondern Ersatzleistungen
Wir sprechen von einem Pharisäertum, denn im Zuge des EU-Beitrittes versprachen die damals in der Regierungsverantwortung stehenden Herrschaften den Bürgern günstigere Preise, vor allem auch bei Lebensmitteln. Den Bauern gestand man „Ausgleichszahlungen“ zu. Denn man akzeptierte, dass man einer Berufsgruppe – den Bauern – die Erzeugerpreise absenkte und damit Geld wegnahm, damit andere Gruppen billig einkaufen können.
Dieses „Verständnis-Zugeständnis“ für/an die Bauern, damit die Bauern für einen EU-Beitritt stimmten, dauerte nicht lange. Denn seit dem EU-Beitritt wurde eine Lawine an Auflagen und Kontrollen sowie an Bürokratie losgetreten, die tausende Bauern am Ende unter sich begraben hat – die heute nicht mehr existieren. Dieses Spiel gegen Bauern geht munter weiter.
Das Schweigen der Bauernvertretung
Das große Schweigen der Bauernvertretung zu diesen Entwicklungen sowie das Mittragen und Mitgestalten dieser vielen Ungerechtigkeiten ist der Grund, warum wir als Unabhängiger Bauernverband (UBV) konkret da sind. Wir wollen eine andere Agrarpolitik. Wir wollen eine Politik, wo man vom Bewirtschaften der Höfe wieder ordentlich – im Sinne des Landwirtschaftsgesetzes – leben und ökonomisch existieren kann.


Wenn man – wie die ÖVP – seit 1986 den Agrarminister stellt, bis auf wenige Ausnahmen zudem die meisten Agrarlandesräte wie die Präsidenten der Landwirtschaftskammern, dann kann man sich nicht an anderen abputzen, wenn es um die Verantwortung geht. Wer zulässt, dass man von rund 300.000 Betrieben auf heute rund 100.000 Betriebe abstürzt, wobei noch rund 50.000 Betriebe im Vollerwerb da sind – Tendenz stark fallend – der muss vor der eigenen Türe kehren, wenn er die Ursachen des Untergangs des Bauernstandes sucht.
Jedenfalls können wir bei dieser Entwicklung die Vollversorgung in fast allen Bereichen nicht mehr gewährleisten. Lebensmittel aus der Region sind dann nur mehr ein Slogan. Dass sich die Direktorin des Bauernbundes kürzlich dann salopp hinstellt und sagt, „wenn wir die Lebensmittel hier nicht erzeugen, dann importiere man diese halt“ – lässt tief blicken, wie der Bauernbund, der noch die dominierende Fraktion in der Kammer ist, wirklich denkt.
Was muss sich aus der Sicht des UBV für die Bauern wie ändern?
Die notwendigen Korrekturen finden sich als sogenannte 42 Forderungen an die Politik in der zusätzlichen Presseunterlage. Konkret fordert der UBV:
- Eine Sockelbetragszahlung als zentrale Leistungsabgeltung für die Bauern
Angesichts des aktuellen Vorschlages aus Brüssel, der sich trotz der Wortspenden hier aus der Erfahrung der letzten 30 Jahre wenig bis kaum ändern wird, wollen wir die Abgeltung der Leistungen der Bauern komplett umstellen. Damit sollen einerseits die notwendigen höheren Einkommen generiert werden und die Bezahlung von durch Bauern erbrachten Leistungen fair abgegolten werden. Finanzierungsmodell Sockelbetrag (7 Downloads ) - Echte Spielregeln: Stopp des Importes und Vertriebs von Produkten, die nicht die gleichen Auflagen haben. Wir fordern einen sofortigen Stopp des Importes und Vertriebes von Produkten, die nicht unter den gleichen Auflagen erzeugt werden, wie wir das tun müssen. Der Sport würde bei den aktuellen Regeln beim Verkauf von Lebensmitteln sofort Geschichte sein. 100 Meter sind immer und überall 100 Meter. Wer von Wettbewerb redet, muss dem Wort und den dazu notwendigen fairen Regeln gerecht werden.
- Die komplette Inflationsabgeltung
Die Kaufkraft der sogenannten Ausgleichszahlungen ist heute – 30 Jahre nach dem EU-Beitritt bei „Null “. Weil wir inzwischen eine Inflation von rund 100 % haben. Abgesehen von dem Umstand, dass die Produktionsmittel nicht um 100 %, sondern um das Vielfache, also 300 % bis 400 % gestiegen sind. Daher fordern wir die komplette Abgeltung der Inflation rückwirkend. - Lebensmittelkontrolle: Eine echte, sofortige Kontrolle beim Handel mit Lebensmittel. Derzeit ist dem Betrug Tür und Tor geöffnet.
- Maximal 100 % Preisaufschlag bei Lebensmitteln auf den Einkaufspreis: Wir fordern, dass man bei den wichtigsten Grundnahrungsmitteln im LEH maximal 100 % auf den Einkaufspreis aufschlagen darf. Damit wird dem Dumping mit Billigimporten ein Riegel vorgeschoben. Wenn man um 40 Cent eine Ware einkauft und diese nur mit 80 Cent verkaufen kann, beträgt die Spanne für Aufwendungen und Gewinn nur 40 Cent. Kauft man hier z.B. um 1 Euro ein, dann ist beim doppelten Verkaufspreis dieser bei 2 Euro. D.h. die Spanne für Aufwand und Gewinn beträgt 1 Euro. Das Dumping hat ein Ende.
- Mehrwertsteuer für alle Agrarartikel auf 20 % anheben. Wir fordern die sofortige Anhebung der UST bei allen Erzeugnissen aus der Land- und Forstwirtschaft auf 20 %. Für pauschal besteuerte Betriebe ist das eine sofortige Steigerung der Einkommen. Für den LEH ist die UST ein Durchläufer. Wenn der Kunde gezielter einkauft, dann wird das auf für Kunden kein Problem sein.
- Wir fordern den sofortigen Abbau der Bürokratie um 50 % und in weiterer Folge innerhalb von 3 Jahren um 90 %. Damit kann der Staat auch auf einen Schlag viel Geld einsparen.
Abschließend ist festzuhalten:
Wenn es wieder eine echte Politik für die Bauern gibt, dann kann man die zu Beginn gestellten Fragen wie folgt beantworten!
- Hat der Bauer noch Platz in der Gesellschaft?
JA! - Wo ist der Platz der Bauern in der Gesellschaft?
Mittendrin in der Gesellschaft! - Was erwartet man sich vom Bauernstand als Gesellschaft?
Dass sie weiter eine gepflegte Kulturlandschaft mit besten regionalen Lebensmitteln bereitstellen! - Dürfen Bauern auch Geld verdienen?
JA – und das Ziel, im Einkommen mit Beamten vergleichbar zu sein, ist mehr als zulässig
- UBV STMK Presseinfo 26.8.2025 (9 Downloads )
- Finanzierungsmodell Sockelbetrag (7 Downloads )
- 42 Forderungen an die Politik für neue Wege in der Agrarpolitik (486 Downloads )